
Die Sturmtiefs Luise und Manja haben im Oktober zwar Regen gebracht, unter der Erde ist davon in Bayern kaum etwas angekommen. An mehr als jeder sechsten Grundwassermessstelle im Freistaat wurden zuletzt neue Niedrigstwerte gemessen, viele Quellen schütten so wenig wie nie. Im Allgäu wird das Trinkwasser regional knapp, und die neue Woche bringt keine Wende.
Tiefer als im Dürrejahr 2018
Laut dem Niedrigwasser-Lagebericht des Bayerischen Landesamts für Umwelt vom 30. Oktober zeigen 80 Prozent der oberflächennahen Grundwassermessstellen und Quellen niedrige oder sehr niedrige Stände, in den tieferen Grundwasserstockwerken sind es rund 81 Prozent. An 17 Prozent der Messstellen wurden neue Niedrigstwerte gemessen, vor allem in Südbayern. Zum gleichen Zeitpunkt 2022 lag der Anteil der Niedrigwasser-Messstellen bei 40 Prozent. Die Tiefststände des Trockenjahres 2018 werden nach Angaben des Landesamts schon seit Wochen unterschritten. Seit November 2025 fehlen im Norden Bayerns 29 und im Süden 34 Prozent des üblichen Niederschlags.
Quellen, Seen und Trinkwasser unter Druck
Besonders betroffen sind Quellen im Alpenvorland, im alpinen Raum und im Ostbayerischen Kristallin. Der Starnberger See stand im Oktober so tief wie noch nie in diesem Monat, der Rottachsee, der seit Juli die Iller gestützt hat, liegt auf einem historischen Tiefstand. Die Trinkwasserversorgung ist laut Landesamt gewährleistet. Eine Ausnahme ist ein Weiler im Allgäu, der aus einer einzigen Quelle versorgt wird. In den Landkreisen Ostallgäu und Oberallgäu nimmt die Anspannung zu: Gemeinden rufen zum Wassersparen auf, schalten Notverbünde zusammen und reaktivieren alte Fassungen, einzelne Brunnen sind außer Betrieb.
Ruhiges Hochdruckwetter bringt keine Entlastung
Nach dem Höhentief zu Allerheiligen bestimmt hoher Luftdruck das Wetter. Bis zum Wochenende erwarten wir in Bayern Nebel, Hochnebel und nur zeitweise Sonne, tagsüber 4 bis 11 Grad und nachts oft leichten Frost, aber keinen nennenswerten Regen. Das Landesamt geht davon aus, dass Grundwasser und Quellen ohne ergiebige Niederschläge mit hoher Wahrscheinlichkeit weiter sinken. Für die Woche ab dem 9. November deuten die Trends auf etwas feuchteres Wetter hin. Sicher ist das noch nicht, und ein paar Regentage reichen ohnehin nicht. Füllen kann das Defizit nur ein nasser Winter mit viel Regen und Schnee, der langsam versickert.
Über den Autor
Dominik Jung
Diplom-Meteorologe
Als Diplom-Meteorologe stehe ich seit 2002 für das Wetter-TV von wetter.net vor der Kamera. Täglich ordne ich die aktuelle Wetterlage ein, bewerte die Langfristmodelle und erkläre, was hinter Extremwetterlagen wirklich steckt. Über 16 Millionen Mal wurden meine Prognosevideos bisher abgerufen.