
Der Bodensee steht so tief, wie man es im Herbst kaum je gesehen hat. Am Pegel Konstanz waren es am Dienstagmorgen nur noch 2,51 Meter, Ende Oktober wurde sogar ein Tiefstwert für dieses Datum gemessen. In den Häfen laufen Boote auf Grund, und die trockene Ostlage bringt bis zum Wochenende kaum Regen. Für eine echte Erholung braucht der See vor allem eines: Schnee in den Alpen.
Pegel weit unter dem Üblichen
Die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung meldete für den Pegel Konstanz am Dienstag um 5 Uhr 251 Zentimeter. Das sind 11 Zentimeter weniger als das mittlere Niedrigwasser von 262 Zentimetern. Laut Niedrigwasser-Lagebericht der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) lag der See am 27. Oktober mit 250 Zentimetern 75 Zentimeter unter dem jahreszeitlichen Mittel und knapp unter dem bisherigen Tiefstwert für diesen Tag von 1947. Das Allzeit-Tief von 226 Zentimetern aus dem Jahr 1858 ist zwar noch ein Stück entfernt. Der Tiefpunkt kommt normalerweise aber erst im Februar oder März. Die Ursachen sind ein schneearmer Winter, ein trockener Sommer und ein Alpenrhein, der laut LUBW außergewöhnlich wenig Wasser führt.
Auflaufende Boote, Trinkwasser gesichert
In Lindau-Zech endet die Pegellatte bei 2,70 Metern, der Wasserstand lässt sich dort nicht mehr ablesen. Sandbänke liegen frei, und Holz und Steine im Flachwasser werden zur Gefahr. Hafenmeister Thomas Karg sagte dem Bayerischen Rundfunk, in zu flachem Wasser gingen Motor, Getriebe und Propeller kaputt. Auf dem Untersee mit seinen flachen Ufern musste die Schifffahrt zeitweise eingeschränkt werden. Das Trinkwasser ist dagegen nicht in Gefahr. Hans-Martin Gall, Technischer Geschäftsführer der Bodensee-Wasserversorgung, sieht laut Südkurier keine Auswirkungen auf die zugesagten Liefermengen für rund vier Millionen Menschen, weil das Wasser aus etwa 60 Metern Tiefe entnommen wird.
Kaum Nachschub in Sicht
Bis zum Wochenende hält sich die trockene Ostlage mit Hochnebel nördlich der Alpen und Nachtfrost. Nennenswerter Regen fällt im Einzugsgebiet nicht. Am Wochenende kommt etwas Regen dazu, ab etwa dem 10. November wird es wahrscheinlich unbeständiger und milder. Wie viel Regen dann fällt, ist noch offen. Ein schneller Anstieg ist trotzdem nicht zu erwarten. Die LUBW rechnet in den kommenden Wochen eher mit fallenden Pegeln, weil die ausgetrockneten Böden Wasser aufnehmen, Niederschlag in den Bergen als Schnee liegen bleibt und die Gletscher kaum noch Schmelzwasser liefern. Bootsbesitzer sollten Hafenzufahrten deshalb weiter vorsichtig ansteuern.
Über den Autor
Johannes Graf
B. Sc. Meteorologie
Schon seit meiner Kindheit empfinde ich eine große Leidenschaft für meteorologische Phänomene. Das Wetter draußen zu beobachten sowie die ständigen Schwankungen des Thermometers faszinieren mich nach wie vor. Diese Verbundenheit mit der Meteorologie motivierte mich dazu, ein Meteorologiestudium am Karlsruher Institut für Technologie zu absolvieren. Seit April 2022 lebe ich meine Leidenschaft beruflich aus und bin Mitglied des Teams bei Q.met.