
Auf dem Brocken und anderen Gipfeln der Mittelgebirge wird es ab Freitag richtig ungemütlich. Mit Sturmtief Luise sind dort Böen von 80 bis 110 Kilometern pro Stunde zu erwarten, an exponierten Stellen auch Orkanböen. Wer in den Herbstferien einen Ausflug auf den Brocken plant, sollte das Wochenende genau im Blick behalten. Auch die Brockenbahn hat ihre Sturmgrenze.
Freitag und Samstag: Die Gipfel bekommen den meisten Wind ab
Schon am Donnerstag frischt der Südwestwind auf, auf exponierten Gipfeln sind Sturmböen bis 85 km/h möglich. In der Nacht zum Freitag lässt er kurz nach. Am Freitag zieht Sturmtief Luise heran. Der Deutsche Wetterdienst rechnet in seinem Warnlagebericht vom Donnerstagvormittag für das Bergland mit Sturmböen bis orkanartigen Böen der Stärke 9 bis 11, also 80 bis 110 km/h. Den Höhepunkt erwarten wir am Freitagabend und in der ersten Nachthälfte. Danach greift der Sturm nach Osten aus und erreicht so auch den Harz. Am Samstag bleibt es in der Nordhälfte stürmisch, auf dem Brocken sind dann erneut Orkanböen möglich. Dazu kommen Regen, Nebel und Temperaturen nur knapp über null bis wenige Grad, was sich auf dem Gipfel deutlich kälter anfühlt.
Brockenbahn hat eine klare Sturmgrenze
Für die Brockenbahn ist Wind ein bekanntes Problem. Ein Sprecher der Harzer Schmalspurbahnen, Dirk Bahnsen, sagte der dpa: „Ab Windstärke 8 stellen wir den Zugbetrieb ein.“ 2023 fiel der Zugverkehr zum Gipfel deshalb an 28 Tagen komplett aus. Bei den Böen, die wir für Freitagabend und Samstag erwarten, sind Fahrplanausfälle zum Brocken gut möglich. Wie die Bahn konkret entscheidet, legt sie selbst kurzfristig fest. Wie heftig es auf dem 1141 Meter hohen Gipfel werden kann, zeigt die Rekordböe: Nach dpa-Angaben wurden dort im November 1984 263 km/h gemessen. So stark wird es diesmal bei Weitem nicht, für Menschen im Freien ist aber schon ein Bruchteil davon gefährlich.
Was Ausflügler jetzt beachten sollten
Gerade während der Herbstferien in mehreren Bundesländern sind am Wochenende viele Ausflügler in den Mittelgebirgen unterwegs. Wer auf den Brocken, den Kahlen Asten, den Feldberg oder andere freie Gipfel will, verschiebt die Tour besser auf Dienstag. Dann ist nach jetzigem Stand Ruhe. Auf kahlen Kuppen kann man bei Orkanböen das Gleichgewicht verlieren. In den Wäldern darunter brechen Äste ab, ganze Bäume können umstürzen. Vor der Abfahrt sollte man die aktuellen Warnungen und die Fahrplanauskunft prüfen. Am Sonntag wird es an der See mit Sturmböen bis schweren Sturmböen erneut stürmisch, im Bergland bleibt es windig. Erst am Dienstag beruhigt sich das Wetter.
Über den Autor
Johannes Graf
B. Sc. Meteorologie
Schon seit meiner Kindheit empfinde ich eine große Leidenschaft für meteorologische Phänomene. Das Wetter draußen zu beobachten sowie die ständigen Schwankungen des Thermometers faszinieren mich nach wie vor. Diese Verbundenheit mit der Meteorologie motivierte mich dazu, ein Meteorologiestudium am Karlsruher Institut für Technologie zu absolvieren. Seit April 2022 lebe ich meine Leidenschaft beruflich aus und bin Mitglied des Teams bei Q.met.