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Starkregen an Simplon und Tessin: Bäche können rasch anschwellen

· Johannes Graf
Starkregen an Simplon und Tessin: Bäche können rasch anschwellen

Während der Südwesten Deutschlands am Wochenende im Dauerregen steckt, rückt am Sonntag ein zweiter Schwerpunkt in den Blick: die Alpensüdseite. Ein Höhentief schaufelt feuchte Mittelmeerluft gegen die Berge, rund um den Simplon und im westlichen Tessin sind örtlich bis zu 100 Liter pro Quadratmeter in 24 Stunden möglich. Wo genau es am stärksten regnet, ist noch offen.

Wo der Regen am Sonntag niedergeht

Am Samstag zieht eine Kaltfront von Frankreich über den Jura in die Schweiz und bringt vor allem dem Nordwesten Regen. In der Nacht zum Sonntag verlagert sich der Schwerpunkt auf die Südseite der Alpen. Das Höhentief über Frankreich lenkt feuchte Luft aus dem Mittelmeerraum gegen den Alpenbogen, wo sie gestaut und gehoben wird. Wir erwarten zwischen Simplon, Tessin und Misox verbreitet 30 bis 80 Liter pro Quadratmeter, im Simplongebiet, im südöstlichen Wallis und in den westlichen Tessiner Alpen örtlich um 100 Liter. Auch das angrenzende Piemont bekommt viel ab. MeteoSchweiz bezeichnet die genaue Verteilung und Intensität ausdrücklich als noch sehr unsicher. Eine amtliche Gefahrenstufe für Sonntag war bis zum Mittag noch nicht bekannt. Wer in der Region unterwegs ist, sollte die Warnkarte von MeteoSchweiz im Blick behalten.

Was das für Täler und Pässe bedeutet

Für einen großflächigen Hochwasserfall reichen die Mengen voraussichtlich nicht, gefährlich sind aber die kleinen, steilen Bergbäche. Sie können bei kräftigem Regen binnen weniger Stunden anschwellen und Geröll mitführen, Murgänge und Steinschlag an Straßen sind nicht ausgeschlossen. Nach dem extrem trockenen Sommer kommt der Regen der Region zwar gelegen: Der Kanton Tessin hatte die Lage am Lago Maggiore im August als extrem kritisch bezeichnet, der Pegel lag damals nahe dem Rekordtief. Ausgetrocknete Böden nehmen heftigen Regen aber schlecht auf. Die Schneefallgrenze liegt um 2000 bis 2400 Meter, am Simplonpass auf gut 2000 Metern kann sich zeitweise nasser Schnee beimischen. Wer in den Herbstferien über Simplon oder Gotthard in den Süden fährt, sollte am Sonntag mehr Zeit einplanen. Nördlich der Alpen bleibt es mit kühler Bise im östlichen Mittelland weitgehend trocken.

Dauerregen in Baden-Württemberg, ab Montag ruhiger

In Deutschland liegt der Schwerpunkt am Wochenende im Südwesten. Der DWD rechnet zwischen Hochrhein und oberem Neckar mit Dauerregen von 35 bis 50 Litern pro Quadratmeter, der dort bis in den Montag andauern kann. An der Ostsee weht der Wind in der Nacht zum Sonntag stürmisch, in exponierten Lagen sind Böen der Stärke 9 möglich. Im Nordwesten ziehen am Samstag kurze Gewitter mit Windböen durch. Die Temperaturen gehen am Sonntag auf 7 bis 13 Grad zurück. Ab Montag setzt sich Hochdruck durch, nach Frühnebel wird es oft sonnig. Auf der Alpensüdseite klingt der Regen ebenfalls ab, am Montagmorgen fallen im südlichen Wallis nur noch einzelne Schauer. Zur Wochenmitte kommt von Südwesten neuer Regen auf.

Über den Autor

Johannes Graf

B. Sc. Meteorologie

Schon seit meiner Kindheit empfinde ich eine große Leidenschaft für meteorologische Phänomene. Das Wetter draußen zu beobachten sowie die ständigen Schwankungen des Thermometers faszinieren mich nach wie vor. Diese Verbundenheit mit der Meteorologie motivierte mich dazu, ein Meteorologiestudium am Karlsruher Institut für Technologie zu absolvieren. Seit April 2022 lebe ich meine Leidenschaft beruflich aus und bin Mitglied des Teams bei Q.met.

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