
Nach dem Dürresommer stehen in vielen deutschen Wäldern geschwächte Buchen und Eichen – und ab Freitag zieht eine Serie von Herbststürmen auf. Im Westen und Norden erwarten wir stürmische Böen, auf den Gipfeln stellenweise orkanartige Böen. Für alle, die in den Herbstferien zum Spazieren oder Pilzesammeln in den Wald wollen, heißt das: Bei starkem Wind ist der Platz unter alten Laubbäumen der falsche.
Was ab Freitag droht
Schon in der Nacht zum Donnerstag frischt an der Nordsee der Südwestwind mit stürmischen Böen um 70 km/h auf. Am Freitag zieht ein Sturmtief zur Nordsee: Im Westen und Norden rechnen wir mit stürmischen Böen, eventuell auch im Südwesten und in der Mitte. An der Nordsee und auf den Gipfeln von Mittelgebirgen und Alpen sind Sturmböen und stellenweise orkanartige Böen möglich, dazu kommt Regen bei 10 bis 16 Grad. Am Samstag bleibt es vor allem an den Küsten stürmisch. Der Sonntag, an dem die Uhren zurückgestellt werden, ist noch sehr unsicher: An Küsten und auf Gipfeln sind auch schwere Sturm- bis Orkanböen nicht ausgeschlossen. Amtliche Warnungen gibt der DWD kurzfristig heraus.
Warum geschwächte Bäume zur Gefahr werden
Die Forstämter warnen seit dem Sommer vor brechendem Holz. Laut Forstamt Karlsruhe können sogar gesund wirkende, belaubte Äste ohne Vorwarnung aus der Krone stürzen, besonders bei älteren Buchen und Eichen. Max Richter vom hessischen Forstamt Weilburg sagte der Nassauischen Neuen Presse, trockengestresste Buchen könnten Äste oder Kronenteile auch bei ruhigem Wetter verlieren. Nach dem Waldzustandsbericht 2025 war in Rheinland-Pfalz schon vor der neuen Dürre etwa jeder dritte Baum mittelstark oder stark geschädigt. Ganz so dramatisch ist es aber nicht: Fachleute der Schweizer Forschungsanstalt WSL erwarten, dass vor allem Äste brechen. Weil viele Bäume ihr Laub früh abgeworfen haben, bieten sie dem Wind weniger Angriffsfläche. Umstürzende ganze Bäume halten sie in diesem Jahr deshalb noch nicht für häufiger.
So bleiben Waldbesucher sicher
Der wichtigste Rat der Förster ist simpel: Bei Sturm, starkem Wind oder Gewitter nicht in den Wald gehen. Das gilt auch für den Tag nach dem Sturm, denn dann hängen oft noch abgebrochene Äste lose in den Kronen und können später herunterfallen. Wer unterwegs ist, sollte immer wieder nach oben schauen und keine Pausen unter abgestorbenen Bäumen oder trockenen Ästen einlegen. Absperrungen gelten auch für Wanderwege und Mountainbike-Strecken. Zu bedenken ist auch die Rechtslage: Das Betreten des Waldes geschieht auf eigene Gefahr. Für waldtypische Gefahren wie herabfallende Äste haftet der Waldbesitzer in der Regel nicht. Wer am Wochenende plant, legt die Tour besser auf ruhigere Stunden und weicht in offenes Gelände aus.
Über den Autor
Johannes Graf
B. Sc. Meteorologie
Schon seit meiner Kindheit empfinde ich eine große Leidenschaft für meteorologische Phänomene. Das Wetter draußen zu beobachten sowie die ständigen Schwankungen des Thermometers faszinieren mich nach wie vor. Diese Verbundenheit mit der Meteorologie motivierte mich dazu, ein Meteorologiestudium am Karlsruher Institut für Technologie zu absolvieren. Seit April 2022 lebe ich meine Leidenschaft beruflich aus und bin Mitglied des Teams bei Q.met.