
Die erste Sturmflut der Saison hat in der Nacht zum Sonntag die Lübecker Bucht getroffen. An der Obertrave in Lübeck standen mehrere Straßen unter Wasser, in Travemünde wurde die Promenade überspült. Inzwischen fällt das Wasser wieder, und an der Ostsee lässt der Wind nach. Ganz ruhig bleibt die neue Woche an den Küsten aber nicht.
Pegel Lübeck knapp an der Schwelle zur mittleren Sturmflut
Auslöser war der Wind, der am Samstag auf Nord bis Nordost gedreht hat. Er schob das zuvor nach Nordosten gedrückte Ostseewasser zurück gegen die deutsche Küste. Nach Angaben von News5, über die moin.de berichtet, erreichte der Pegel Travemünde zwischen etwa 3 und 4 Uhr seinen Höchststand bei rund 1,23 Metern über Normalhöhennull. Am Pegel Lübeck-Bauhof wurde der Scheitel zwischen 4:20 und 5:15 Uhr mit 6,27 Metern gemessen, das sind rund 1,25 Meter über NHN. Ab diesem Wert spricht das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) von einer mittleren Sturmflut, ab 1,00 Meter von einer Sturmflut.
Altstadt, Promenade und abgeschleppte Autos
In der Lübecker Altstadt lief das Wasser vor allem entlang der Obertrave in die Straßen. Viele Anwohnerinnen und Anwohner hatten vorher Schutzwände vor ihre Häuser gesetzt. Das Ordnungsamt holte in der Nacht mindestens zwei Autos aus dem Gefahrenbereich, eines davon wurde abgeschleppt. In Travemünde schlugen Wellen gegen die Kaimauer, die Promenade stand unter Wasser. Mit der Sturmflut vom Oktober 2023 ist das nicht zu vergleichen, damals wurden in Flensburg 2,27 Meter erreicht. Das BSH rechnet in seiner Vorhersage von Sonntag, 7:45 Uhr, damit, dass die Sturmflut in Kieler und Lübecker Bucht im Laufe des Vormittags endet.
Neue Woche: Nebel, Regen im Süden, Wind an der Nordsee
Am Sonntag gibt es an der Ostsee anfangs noch stürmische Böen bis 70 km/h. Am Nachmittag lässt der Wind nach. In der Nacht zum Montag bildet sich vor allem in der Südhälfte Nebel, stellenweise mit Sichtweiten unter 150 Metern. Wer früh losfährt, sollte damit rechnen. Montag und Dienstag bleibt es ruhig, mild und oft trüb. Am Mittwoch zieht Regen auf, vom Südschwarzwald bis zum westlichen Alpenrand sind örtlich um 30 Liter pro Quadratmeter möglich. Ab Donnerstag frischt der Wind an der Nordsee auf, auf den Inseln sind dann stürmische Böen bis hin zu Sturmböen nicht ausgeschlossen. Eine neue Sturmflut zeichnet sich derzeit nicht ab.
Über den Autor
Dominik Jung
Diplom-Meteorologe
Als Diplom-Meteorologe stehe ich seit 2002 für das Wetter-TV von wetter.net vor der Kamera. Täglich ordne ich die aktuelle Wetterlage ein, bewerte die Langfristmodelle und erkläre, was hinter Extremwetterlagen wirklich steckt. Über 16 Millionen Mal wurden meine Prognosevideos bisher abgerufen.